2025 im Rückblick: Vernetzung, Fachlichkeit und klare Positionierungen
Zu Beginn des Jahres 2026 blicken wir auf 2025 zurück: Das Jahr war arbeitsreich und in vielerlei Hinsicht prägend und von politischen Umbrüchen, fachlichen Debatten und zunehmendem Druck auf soziale Systeme gekennzeichnet. Der Österreichische Berufsverband der Sozialen Arbeit (obds) war auch im vergangenen Jahr auf fachlicher, berufspolitischer und zivilgesellschaftlicher Ebene aktiv und sichtbar – getragen von engagierten Mitgliedern, ehrenamtlicher Mitarbeit und einer starken bundesweiten Vernetzung – innerhalb und weit über die Community der Sozialen Arbeit hinaus. Dieser laufende Austausch mit Vertreter*innen der Sozialpartnerschaft, die Kooperation mit der Arbeiterkammer, mit Fachgesellschaften, Aus- und Fortbildungseinrichtungen sowie mit Politik und Verwaltung auf Landes- und Bundesebene bildet die Grundlage dafür, dass Soziale Arbeit politisch wahrgenommen wird. Durch gezielte Medienarbeit ist es gelungen, auch in der Öffentlichkeit (z.B. Ö1, derStandard, APA,…) Soziale Arbeit sichtbar zu machen.
Austausch, Vernetzung und fachliche Impulse
Auch 2025 fanden regelmäßige regionale Treffen und Vernetzungsformate in mehreren Bundesländern statt, unter anderem in Wien, Oberösterreich, Salzburg, der Steiermark und Tirol. Diese Treffen bieten Raum für kollegialen Austausch, fachliche Diskussionen und berufspolitische Abstimmung. Mitglieder finden diese sowie weitere Termine im Mitgliederportal (Webling).
Ein zentraler Bestandteil der Verbandsarbeit im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit war erneut die kostenlose Online‑Impulsreihe des obds, die nahezu monatlich stattfand. Die Impulse spannten dabei einen Bogen von klassischen Steuerungsfragen bis hin zu Zukunfts- und Grenzthemen der Sozialen Arbeit, etwa:
- Organisation und Steuerung Sozialer Arbeit
- Grenzgänge – Soziale Arbeit zwischen forensisch-therapeutischen Einrichtungen & Erlebnispädagogik?
- „Quo vadis?“ – Wohin geht der obds
- Künstliche Intelligenz in der Arbeitswelt
- Kinder- und Jugendhilfe im Fokus
- Soziale Arbeit in der Raumfahrt
Die Impulsreihe hat sich damit als niedrigschwelliges, bundesweit genutztes Online-Format für fachlichen Austausch etabliert. Sie ist auch für Nicht-Mitglieder offen (Anmeldung unter jourfixe@obds.at).
Fachliche und berufspolitische Positionierungen
Der obds brachte sich 2025 auf unterschiedlichen Ebenen in fachliche und politische Diskurse ein: durch Stellungnahmen, Positionspapiere, Beiträge zu Grundlagenpapieren sowie durch die Teilnahme an aktuellen sozial- und bildungspolitischen Debatten, etwa zu geplanten Einsparungen und zur Situation der Kinder- und Jugendhilfe. Viele dieser Veröffentlichungen sind dauerhaft auf unserer Website unter den Grundlagendokumenten sowie Stellungnahmen zugänglich bzw. unter unseren aktuellen Aktivitäten beschrieben.
Die Grundlagendokumente enthalten nicht nur vom obds verfasste Dokumente, sondern machen auch Dokumente, die gemeinsam mit Fachgesellschaften oder von Hochschulen oder internationalen Verbänden erstellt wurden und hohe Relevanz besitzen, auf einen Blick zugänglich. Seit 2025 ist z.B. das Dokument „Praktika im Bachelorstudium Soziale Arbeit – Österreichweite Standards“ sowie der Qualifikationsrahmen für Soziale Arbeit zugänglich.
Auf Basis der fachlichen Positionierungen und des Expert*innenwissens innerhalb der obds Netzwerke wurden im Jahr über 150 Anfragen (größtenteils per E-Mail, aber auch telefonisch und bei persönlichen Begegnungen) beantwortet. Die Themen reichen von Fragen zur Ausbildung, über die Anerkennung von Qualifikationen, der Bezeichnungsführung entsprechend den Bestimmungen des SozBezG2024, freiberuflicher Berufsausübung, Haftungsfragen bzw. persönlicher und fachlicher Voraussetzungen zur Übernahme bestimmter Aufgaben. Die meisten Anfragen wurden von Personen gestellt, die sich für eine Ausbildung im Feld der Sozialen Arbeit interessieren oder ihre Ausbildung im Ausland abgeschlossen haben, gefolgt von Ausbildungseinrichtungen und Dienstgeber*innen sowie Kolleg*innen mit und ohne Leitungsfunktion.
Im Februar folgten beispielsweise mehrere Positionierungen, unter anderem zur bundespolitischen Situation und der potenziellen Bildung einer FPÖ/ÖVP‑Bundesregierung, sowie zu geplanten Leistungskürzungen in der Kinder‑ und Jugendhilfe im Land Salzburg. Nach der Regierungsbildung wurde das neue Regierungsprogramm einer detaillierten Analyse unterzogen, nachzulesen im Dokument Soziale Arbeit im Regierungsprogramm 2025–2029. Diese Positionierungen machten deutlich, welche sozialen Folgen politische Weichenstellungen für Praxis und Adressat*innen Sozialer Arbeit haben.
World Social Work Day und thematische Schwerpunkte im Frühjahr
Der März stand – wie jedes Jahr – im Zeichen des World Social Work Day. Rund um den Aktionstag am 18. März 2025 fanden bundesweit Vernetzungsaktivitäten, Veranstaltungen und Kundgebungen statt. Das Motto im Jahr 2025 war „Strengthening Intergenerational Solidarity for Enduring Wellbeing“. Die deutsche Übersetzung lautet „Stärkt die Solidarität zwischen den Generationen! Damit es uns allen heute und morgen gut geht.“
Ebenfalls im März wurde ein Film zu Sozialer Arbeit in Primärversorgungseinheiten veröffentlicht, der die Bedeutung sozialarbeiterischer Expertise in diesen Settings sichtbar macht und damit die Notwendigkeit unterstreicht, Soziale Arbeit strukturell in interdisziplinäre Gesundheitsversorgung einzubinden.
Die Kinder‑ und Jugendhilfe blieb auch im Frühjahr und Frühsommer ein zentrales Thema. Dies zeigte sich unter anderem im offenen Aufruf „Für eine starke Kinder‑ und Jugendhilfe: Jetzt offene Stellungnahme unterzeichnen!“ sowie in der öffentlichen Stellungnahme zur Situation und Zukunft der Kinder- und Jugendhilfe in Österreich. Pläne von Kürzungen wurden kommentiert, beispielsweise in der Form einer Stellungnahme des obds zum geplanten Verbot von geringfügiger Beschäftigung bei Bezug von Leistungen des AMS.
Sommer: Fachliche Grundlagen und strategische Weichenstellungen
Passend zum Kernthema des obds – einem bundesweiten Berufsgesetz für Soziale Arbeit – wurde im Juni in einer Stellungnahme aufgezeigt, warum ein Berufsgesetz in Zeiten des Arbeitskräftemangels notwendig ist. Parallel dazu werden laufend Gespräche mit politischen Entscheidungsträger*innen geführt.
Ein besonderer Meilenstein im Jahr 2025 war die Veröffentlichung des Grundlagendokuments „Der Qualifikationsrahmen für Soziale Arbeit in Österreich„, an dessen Erarbeitung der obds maßgeblich beteiligt war. Dieser wurde im Rahmen der kostenlosen öffentlichen AK-Veranstaltung „Berufsgesetz für die Soziale Arbeit – für ein Ende der unendlichen Geschichte!“ präsentiert.
Der Sommer wurde genutzt, um intensiv „hinter den Kulissen“ zu arbeiten. Bereits zu diesem Zeitpunkt zeichnete sich ab, dass im Herbst personelle und strukturelle Veränderungen im hauptamtlichen obds-Team anstehen würden. Entsprechend wurde frühzeitig an einer strukturierten Übergabe gearbeitet. Damit wurde sichergestellt, dass laufende Projekte und politische Prozesse nahtlos weitergeführt werden konnten.
Mit Oktober 2025 legte Gerlinde Blemenschitz‑Kramer ihre Funktion als eine von zwei Geschäftsführerinnen zurück und der obds wird seither nicht mehr in einer Doppelspitze geführt. Die Geschäftsführung liegt nun alleine bei Julia Pollak, die in enger Abstimmung mit dem Vorstand arbeitet.
Herbst: Internationale Vernetzung und aktuelle Krisen
Der Herbst war geprägt von intensiver Vernetzung und politischer Zuspitzung. Julia Pollak nahm unter anderem an der International Federation of Social Workers (IFSW Europe ) Tagung und dem Delegations-Meeting in Oslo teil und war in laufende Gespräche zum Berufsgesetz eingebunden.
Gemeinsam mit vielen Partner-Organisationen hat der obds sich an der Erstellung eines zivilgesellschaftlichen Parallelberichts zur Lage der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte (WSK-Rechte) in Österreich beteiligt, der im Dezember veröffentlicht wurde. Auch an den immer wieder brisanten Themen der Kinder- und Jugendhilfe arbeiteten Aktive im obds kontinuierlich. Ergebnisse aus diesem Prozess wurden unter anderem im Rahmen der November-Impulse zusammengefasst und auch für Außenstehende aufbereitet.
Ab November verschärfte sich die sozialpolitische Lage deutlich. Angekündigte und bereits umgesetzte Leistungskürzungen in mehreren Bundesländern bestimmten maßgeblich die Arbeit des obds. Zahlreiche Stellungnahmen, Medienreaktionen und Mobilisierungen folgten:
- Petition vom obds an den Bundespräsidenten gegen willkürliche Sozialkürzungen
- offener Brief vom obds zu den Kürzungen in Österreich
- offener Brief vom obds als Reaktion auf die Pläne für Kürzungen in Oberösterreich
Demonstrationen, Streiks und Solidaritätsbekundungen – unter anderem mit den Anliegen der Gewerkschaften GPA und vida – prägten den Jahresausklang.
Fachzeitschrift SIÖ – vier Ausgaben im Jahr 2025
Die vier Ausgaben der SIÖ – Soziale Arbeit in Österreich griffen zentrale Jahresthemen aus unterschiedlichen Perspektiven auf:
- Grenzgänge – SIÖ (1.2025)
Soziale Arbeit bewegt sich in unterschiedlichen Grenzbereichen und überschreitet soziale, institutionelle und professionelle Grenzen. - Perspektivenwechsel – SIÖ (2.2025)
Diese Ausgabe rückt die Perspektiven von Klient*innen und Adressat*innen Sozialer Arbeit in den Mittelpunkt und fragt danach, wie Soziale Arbeit aus Sicht jener gestaltet wird, die auf sie angewiesen sind oder sie in Anspruch nehmen. - New Reality Check – SIÖ (3.2025)
Im Fokus stehen Digitalisierung, Soziale Medien und Künstliche Intelligenz in der Sozialen Arbeit – mit Blick auf Erfahrungen aus der Praxis, Potenziale, Grenzen und Risiken digitaler Technologien. - Das kannst du dir sparen – SIÖ (4.2025)
Diese Ausgabe thematisiert aktuelle Kürzungen im Sozialbereich und deren Folgen für die Soziale Arbeit. Schwerpunkte sind die Bundesländer Tirol, Wien und Steiermark sowie Proteste gegen den Sozialabbau und mögliche sozialstaatliche Alternativen.
Die ersten drei Ausgaben können bereits kostenlos im Online-Archiv nachgelesen werden.
Ausblick
Viele der Themen, die 2025 geprägt haben – Leistungskürzungen, Arbeitsbedingungen, Fachkräftemangel, Berufsgesetz und die Zukunft der Sozialen Arbeit – werden uns auch im kommenden Jahr weiter begleiten. Der obds wird sich weiterhin klar positionieren, fachliche Expertise einbringen und die Interessen der Sozialen Arbeit auf unterschiedlichen Ebenen vertreten. Der Rückblick zeigt, wie eng fachliche Arbeit, politische Positionierung und zivilgesellschaftliches Engagement im obds zusammenwirken.
Wir danken allen Mitgliedern, ehrenamtlich Engagierten und Kooperationspartner*innen für die Zusammenarbeit, den Austausch und das Vertrauen im Jahr 2025.